Jahrgang 1961, geboren in Göttingen. Dort nach den ersten Unterrichtsjahren in der lokalen Jazzscene und mit klassischen Konzerten als Gitarrist aktiv. Mit 18 Jahren der Beginn des Unterrichts bei Professor Klaus Hempel in Hamburg, 1984 bis 1988 Studium als Diplom-Musiklehrer an der Hochschule für Künste, Bremen. Anschließend Studium der Künstlerischen Reife an der HfK Bremen. Meisterkurse bei klassischen Größen wie Elliot Fisk, Roberto Aussel etc. rundeten die Ausbildung ebenso ab, wie zahlreiche Jazz- und Rockworkshops bei international bekannten Gitarristen.
1990 Beginn der Lehrtätigkeit im Rockbereich der Musikschule Bremen. Ab 1992 ein Lehrauftrag an der Hochschule für Künste Bremen. Gastmusiker an diversen Theatern und der NDR-Radiosinfonie. Er spielte u.A. mit Jazzgrößen wie John Stowell. 1995 Gründung des Jazz-Duos TAKE TWO. 1998 erscheint die erste Publikation im AMA-Verlag, seit dem drei Veröffentlichungen. 1999 Gründung des klassischen Duos Artisi/Plath. Seit dem Jahr 2000 Zusammenarbeit mit Jürgen Kumlehn als Workshop-Dozent. Im Jahr 2001 rief er das Jazz Duo mit David Jehn ins Leben. Ein Jahr später, 2002, folgte das Thorsten Plath Trio.
Alles Weitere entnehmen Sie bitte dem folgenden Interview, welches in der Januar-Ausgabe 2001 der Akustik-Gitarre erschien.
Die wohldosierte Mischung aus Jazz, Funk, Soul und Pop zündet ebenso wie Jessica Brünje's Stimme und Bühnenpräsenz, während Thorsten Plaths filigrane Fingerstyle-Grooves in Arrangement und Ausführung mit zum Feinsten der Szene gehören. Soeben ist auch sein neustes Lehrwerk "Jazz Guitar Light(s)" zu diesem Thema beim AMA-Verlag erschienen.
Thorsten, wie kam es zu der Idee, ein solches Duo zu gründen?
Thorsten Plath: Das hat sich aus mehreren Entwicklungen ergeben. Ich habe in diversen Bands gespielt, aber diese Projekte mussten in den 90ern eingestellt werden, weil es keine Jobs mehr gab, jedenfalls keine mit künstlerischem Anspruch.
Wie schon euer erstes Konzertplakat ironisch klagt: Rationalisierung überall, zwei erledigen heutzutage die Arbeit von fünfen deutlich billiger ...
Thorsten Plath: Ja, auch das hat mitgespielt. Aber der erste Reiz bestand darin, dass ich etwas Eigenes, kammermusikalisch Intimes spielen wollte, mit dem verlockenden gitarristischen Anspruch, ein ganzes Liedergerüst allein auf einer Gitarre umzusetzen. Also erst mal eine rein technische Herausforderung. Aber wenn man die bewältigt, hat man gleichzeitig etwas künstlerisch Anspruchsvolles, womit man auch konzertieren kann.
"Take Two" sind also die beiden Überlebenden aus den Bands ...
Thorsten Plath: Nein, nein. Jessica und ich haben uns erst gefunden für das Duo.
Und wie?
Thorsten Plath: Ich unterrichte ja an der Musikhochschule in Bremen. Eines Tages hat ein Student mir gesagt, dass seine Freundin singt. Und weil ich gerade auf der Suche nach einer Sängerin war, habe ich mir sie mal angehört. Dann haben wir eine Probe vereinbart, und das war's.
Ist Jessica eine ausgebildete Sängerin?
Thorsten Plath: Nein, sie hat gar keine Musikausbildung - anfangs war es sogar schwierig, weil ich ihr meine Vorstellungen ganz genau vorsingen musste, bis sie das so nachsingen konnte. Und Jessica ist keine Jazzerin, sondern hat als Person und Stimme einfach meinen Vorstellungen entsprochen. Und eine Jazzsängerin wollte ich auch gar nicht; ein Programm aus Jazzstandards hätte ich höchstens als Sideman mitgemacht.
Du selbst hast aber eine fundierte Musikausbildung.
Thorsten Plath: Ja, in zwei Studiengängen. Zuerst Richtung DME (Diplom-Musikerzieher), dann Richtung Künstlerische Reife (Diplom-Gitarrist). Heute unterrichte ich im Hauptfach eine E-Gitarren-Klasse - sechs aufgeschlossene Studenten. Super! Das Niveau ist überhaupt in den letzten Jahren stark angestiegen.
Warum?
Thorsten Plath: Es gibt mittlerweile gute Lehrmaterialien, Kurse und Lehrer in Deutschland. Dass es das z.B. auch in Bremen gibt, musste sich aber erst herumsprechen.
Wie begann deine Liebe zur Musik, speziell zur Gitarre?
Thorsten Plath: Ich habe mir mit elf einen Kassettenrekorder gewünscht, aber mein Musiklehrer meinte, ich solle ein Instrument lernen. Es wurde eine Gitarre - was bei mir anfangs ganz schlecht ankam. Dann habe ich aber irgendwann richtigen Unterricht bekommen, bei Wieland Ulrichs, so mit 16.
Und dann hat es dich richtig gepackt?
Thorsten Plath: Nein, noch nicht. Ich habe erst eine Ausbildung als Technischer Zeichner gemacht. Das war aber gar nichts für mich , und ich wollte dann doch Musik machen. Und hatte riesiges Glück: Professor Klaus Hempel habe ich kennen gelernt; der hat mich in Hamburg unter seine Fittiche genommen.
Und dann wurde es klassisch ...
Thorsten Plath: Nicht unbedingt. Meine klassische Ader hat sich erst in Bremen, im Studium, so richtig gezeigt. Mein erster Gitarrenheld Al DiMeola, so mit 14, ich habe damals, um mithalten zu können, Skalen geübt. Außerdem habe ich Kurse und Workshops besucht, bin rumgefahren, war in Weikersheim, Burghausen usw., habe in ganz verschiedene Sachen reingehört. Rock-Workshops mit Peter Weihe etwa. Andererseits habe ich auch einen absolut beeindruckenden Klassik-Meisterkurs erlebt, bei Elliot Fisk.
Und nach deinem Studium?
Thorsten Plath: 1988 war ich mit dem ersten fertig, 1990 mit dem zweiten. Dann habe ich erst mal die Musikschule Bremen (Bereich Rock) mit aufgebaut und gespielt, was ich nur kriegen konnte. NDR-Orchester, Silberhochzeit, moderne Oper. Als ich die Opernnoten gesehen habe, bin ich fast tot umgefallen, so abgedrehte Sachen waren dabei. Und dann fragt mich der Dirigent bei der Ensemble-Probe: "Könnte ich die 32tel-Quintolen etwas breiter haben?" Diese geniale Frage werde ich mein Lebtag nicht mehr vergessen! Danach kam eine Rockband, mit der ich einiges ausgelebt habe. Und dann kam 1995 auch schon "Take Two".
Wie lief das am Anfang?
Thorsten Plath: Als das Projekt erst mal in Gang war, hat es sich gut entwickelt. 1997 haben wir unser Live-Programm runderneuert und unsere erste CD komplett selbst aufgenommen, mit ADAT; ich habe die Geräte mit dem Fuß gesteuert. 1998 kam ein wichtiger Kontakt zu Stande, nämlich zu AMA, über Jürgen Kumlehn, einen sehr guten Gitarristen, den ich vom Studium her kannte. In dessen Studio haben wir unsere zweite CD aufgenommen.
... die ja doch anders klingt als die erste ...
Thorsten Plath: Es sind viel mehr Stücke von mir darauf. Außerdem wollten wir diesmal von vornherein andere Musiker mit dazunehmen.
Was aber auch ein Risiko darstellt - wenn man auf eine kompakte kleine Live-Einheit plötzlich etwas draufpackt ...
Thorsten Plath: Die Kritiken waren jedenfalls gut. Wir hatten aber auch frühzeitig und gründlich konzeptionell überlegt: Was wollen wir mit reinnehmen? Wer passt da rein? Schließlich haben wir uns für Florian Poser und Frank Itt entschieden - Florians Vibrafon unterstützt die Luftigkeit, Franks Bass bringt das Erdige mit rein. Und das hat hervorragend geklappt; die beiden haben sich mühelos in unser Soundkonzept eingefügt. Und natürlich war es grundsätzlich günstiger, einen Verlag bzw. ein Label dabei hinter sich zu haben, nämlich AMA/Mara.
Dann gab es auch eine Menge eigener Titel auf der neuen CD ...
Thorsten Plath: Das war länger geplant. Ich habe schon immer geschrieben, und das hat sich durch die Arbeit an meinen Gitarrenbüchern noch verstärkt. Allerdings wird es zumindest im Live-Programm bei 50% Fremdkompositionen bleiben.
Und wie geht das bei dir konkret? Schreiben, Arrangieren?
Thorsten Plath: Ich habe da eigentlich einen ungitarristischen Ansatz. Ich überlege mir, was akkordisch und vom Bass her ablaufen muss, ich entwickle sozusagen ein Band-Arrangement, wie ich es im Kopf höre. Das muss nachher auf die Gitarre übertragen werden, mit dem Ergebnis, dass manches einfach nicht mehr geht. Aber ich arbeite nicht primär von der Gitarre her; zuerst kommt die musikalische Lösung, und an der muss sich die gitarristische Lösung ausrichten - nicht umgekehrt.
Gibt es dafür oder auch überhaupt für dich Vorbilder?
Thorsten Plath: Für Verschiedenes gibt es ganz verschiedene Vorbilder, jedenfalls wenn man offen ist, was sich heute empfiehlt - ab einem bestimmten Niveau existiert ohnehin kein Schubladendenken mehr. Elliot Fisk ist mein Vorbild an Genialität, Klaus Hempel im Strukturieren und Üben ohne Zeitverlust. Und Peter Weihe kann 8tel-Grooves irre genau spielen.
Und im Jazz?
Thorsten Plath: Joe Pass finde ich auch wieder genial - er hat mit einem ganz einfachen Konzept gearbeitet und das wunderbar mit Ideen ausgefüllt. Natürlich Tuck Andress. Und Michael Sagmeister - der hat Musik verstanden, der steuert sein Spiel auch im Geiste - nicht nur mit den Fingern.
Das waren alles Gitarristen. Inspiration durch andere Instrumente spielt keine Rolle?
Thorsten Plath: Na ja, nicht durch die Einzelinstrumente an sich. Das läuft bei mir eher über den gesamten Bandsound, z.B. bei Miles Davis "Kind Of Blue" und Charlie-Parker-Platten ...
Und wie schreibst du deine Texte?
Thorsten Plath: Das geht meist einfach und zügig - ich habe sehr häufig im ersten kreativen Funken schon eine kombinierte Idee; Melodiezeile und Textzeile sind gleichzeitig da. Andererseits ist es aber auch schwierig, sich nicht in der eigenen Muttersprache auszudrücken ...
Dann wäre es doch logisch auf Deutsch zu schreiben.
Thorsten Plath: Das stimmt schon. Aber zunächst einmal ist Englisch die primäre Sprache des Jazz. Vielleicht benutze ich das Deutsche mal als künstlerische Weiterentwicklung von dem, was ich jetzt tue. Wir haben übrigens jetzt als Experiment ein deutsches Lied in unser Live-Programm aufgenommen, das wir beide sehr mögen - die "Tänzerin" von Ulla Meinecke. Wir warten mal ab, wie das ankommt, und wagen uns je nachdem an mehr deutsche Songs heran.
Inzwischen hast du - wie schon angeklungen ist - ja dank Büchern ein weiteres Standbein ...
Thorsten Plath: Ich werde insgesamt vier Bücher bei AMA herausbringen. Jetzt kommt z.B. ein Jazz-Spielbuch. Da sind eigene Jazz-Songs zu finden, solo ausarrangiert und auch mit Band - die Musikbeispiele, die wir dazu aufgenommen haben, sind in sich fast schon wieder eine eigene Musik-CD. Von der Konzeption her sind meine Bücher bewusst in Lücken des bisherigen Literaturangebots hineingeschrieben: Es sind zwar Etüden, aber Etüden verpackt in zeitgemäße Songs - Carcassi und Sor sind ja schön und gut, aber für die heutige Schülergeneration doch zu weit weg. Meine Spielliteratur und auch mein Unterricht sind klar ein Resultat meiner Beschäftigung mit beiden Welten: Klassik und Jazz. Seit Anfang '99 habe ich auch noch ein Duo mit einer klassischen Sängerin. Im Prinzip gilt da das Gleiche wie mit "Take Two": Es ist schwer geworden, von Kunst zu leben. Im Grunde muss man sich die Kunst mit Event-Partys finanzieren. Und wir als Musiker müssen eben durchhalten.
(Akustik Gitarre 1/01 S.32 f.)